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Erfahrungen mit 2,4 GHz RC Sytemen

2,4 GHz RC Systeme haben sich inzwischen vollständig durchgesetzt. Auch wenn 35 MHz dadurch sicherer und vor allem extrem viel billiger geworden ist, ist 2,4 GHz inzwischen Standard. Viele Vorteile liegen auf der Hand: Keine Störungen, kurze Antennen, höhere Sicherheit und Telemetrie sind nur die wichtigsten. Als entscheidender Nachteil ist zu nennen, dass man sich auf einen Hersteller festlegen muss. Wer die Wahl hat, hat hier auch die Qual. Natürlich gibt es z.B. für Spektrum oder Fasst inzwischen auch Billigemplfänger, auf das System muss man sich aber immer festlegen. Wer unbedingt mehrere Systeme nutzen will, kann das mit mehreren Sendern, oder durch umschaltbare Sendemodule in einem Sender machen. In diesem Fall sollte der Sender allerdings viel Platz haben, wie z.B. eine Multiplex MC oder ein Graupner MC Pultsender. Einfacher machen es mehrere Systeme nicht und deshalb sollte es das Ziel sein, das optimale 2,4 GHz System für seine Bedürfnisse zu finden. 

Zuerst versuche ich die verschiedenen Eigenschaften aufzuzeigen auf die es bei 2,4 GHz Systemen ankommt.

Sicherheit

Für die meisten Modellpiloten ist das Thema Sicherheit das wichtigste Überhaupt. Kostet das Modell mehrere Hundert oder sogar mehrere Tausend EUR, ist eine absolut sichere Funkverbindung. Für eine sichere RC-Anlage sind mehrere Faktoren wichtig. Ein 2,4 GHz Funksystem ist dann sicher, wenn das Modell zu jeder Zeit exakt das macht, was der Pilot will. 

Schauen wir uns mal an, worauf es bei einem sicheren RC-System ankommt

Hardware-Qualität des Senders

Der Markt ist inzwischen geschwemmt mit Billigsendern aus Fernost. Für 50 EUR bekommt man bereits einen Sender, dessen Funktionsumfang für die meisten Modellpiloten ausreichend ist. Das Preis- / Leistungsverhältnis solcher Sender ist zum Teil unschlagbar. Die Qualität ist allerdings bei diesen Preisen nicht annähernd mit einem hochwertigen Sender zu vergleichen. Das beginnt mit den Qualität der verbauten Komponenten und hört mit den Löstellen auf. 

Software des Senders

Auch bei der Sendersoftware gibt es Unterschiede. Glücklicherweise kann man inzwischen Sender schon updaten. Es gibt allerdings auch Sender, die einerseits Fehlprogrammierungen nicht ausreichend abfangen und anderseits auch noch Programmfehler enthalten. 

Funkübertragung

Inzwischen ist selbst Spektrum mit DSMX auf FHSS umgestiegen. Nach dem anfänglichen Drama von IFS, sind mir bei aktuellen Systemen keine Problem mit der sicheren Übertragung bekannt. Zur sicheren Übertragung gehört neben dem Protokoll auch die Antennentechnik. Hier gibt es signifikante Unterschiede bei den verschiedenen angebotenen Systemen. Bezüglich der Reichweite muss man sich aber keine sorgen machen. Solange man in Sichtweite fliegt, mit Diversity Empfängern fliegt, die korrekt eingebaut sind und die Antennen richtig verlegt hat, ist diese bei allen FHSS Systemen, die mit 100 mW Senden dürfen , ist die Reichweite völlig ausreichend.

Empfängerqualität

Auch bei den Empfängern gibt es große Qualitätsunterschiede. Hier spiegelt sich vor allem der Preis wieder. Klar sollte auch sein, dass die verwendeten Empfänger zum Modell passen müssen. Während bei einem hochwertigen Modell nicht nur die Empfindlichkeit des Empfängers sondern auch die Strombelastbarkeit und die Kurzschlussicherheit der Empfängerausgänge eine Rolle spielen, ist bei kleinen Modellen vor allem die Anzahl der Kanäle von Relevanz. Empfänger mit einer Antenne sollten grundsätzlich nur in kleinen Schaumwaffeln eingesetzt werden. 

Kosten

Für viele sind die Kosten einer der wichtigsten Faktoren. Hier sind vor allem Empfänger von Drittherstellern aus Fernost attraktiv. Diese sind schon für unter 10 EUR zu bekommen. Bei den Kosten sollte man neben der Anzahl der Kanäle auch die Empfindlichkeit, die Anzahl der Antennen und auch die Telemetriefähigkeit berücksichtigen. Manche Hersteller versuchen immer noch 2,4 GHz Sendemodule kostenlos herzugeben, um dadurch mehr Empfänger verkaufen zu können, was sicher keine schlechte Strategie ist. 

Skalierbarkeit

Meist beginnt man mit kleinen Modellflugzeugen und steigert sich dann im Laufe der Zeit zu immer größeren Modellen. Während Anfangs die Produktpaletten noch ziemlich eingeschränkt waren, sind diese inzwischen von den meisten Herstellern sehr stark ausgebaut worden. Es gibt inzwischen Hersteller mit Empfängern zwischen ca. 70 bis 700 EUR. Andere Hersteller bieten Empfänger von maximal 200 EUR, wobei man dann bei Großmodellen noch zusätzliche Hardware benötigt, um die notwendige Stromversorgung für die Servos sicherzustellen. Gute Hochstromempfänger bieten z.B. M-Link, Jeti Duplex und Weatronic an.

Service

Dieses Thema wird meist erst mit der Zeit wichtig. Wenn spezielle Anforderungen an die RC-Anlage gestellt werden oder Probleme mit Hardware oder z.B. beim Firmware-Upgrade auftauchen. Auch bei der Anschaffung kann ein Telefonat mit einem Hersteller hilfreich sein, um spezielle Fragen zu klären. In diesem Zusammenhang möchte ich vor allem die Firma Graupner erwähnen, die einen absolut vorbildlichen Service und Support anbietet.

Telemetrie

In vielen Fällen ist Telemetrie sehr hilfreich, oft wird es aber genauso überbewertet. Zu den absolut sinnvollen und wichtigen Funktionen gehört die Reichweite und Spannungswarnung, wie sie z.B. bei Hott und Jeti Duplex integriert sind. Alle anderen Telemetriefunktionen sind mehr oder weniger Luxus. 

Sender

Während bisher vor allem die 2,4 GHz Empfänger wichtig waren, kommen zunehmend auch die Sender in den Fokus der Kaufentscheidung, da die Hersteller mehr und mehr dazu übergehen, Fremdmodule auszuschließen. Zu den alteingesessenen Herstellern, wie z.B. Graupner oder Multiplex gesellen sich nun auch Jeti, ACTEurope und Weatronic hinzu, die gemerkt haben, dass die Zukunft nicht allein in der Herstellung von 2,4 GHz Modulen liegt. 2012 ist das Jahr der neuen Sender. Die Modellpaletten werden stark ausgebaut und völlig neue Sender kommen auf den Markt.

Die einzelnen 2,4 GHz Systeme im Vergleich

Nun werde ich die 2,4 GHz Systeme HoTT, M-Link, S3D, Jeti Duplex, Weatronic, Spektrum Fasst und FrSky vergleichen und versuchen die Vor- und Nachteile, soweit es mir möglich ist deutlich zu machen, um so dem ein oder anderen die Kaufentscheidung, die weitreichend sein kann zu erleichtern. Die Reihenfolge entspricht gleichzeitig meiner Bewertung. 

Jeti Duplex

Bei Jeti Duplex handelt es sich um ein 2,4 GHz System der ersten Stunde. Ursprünglich ausschließlich als Fremdsystem, konnte man dieses in nahezu jeden Sender einbauen. Selbst aktuelle Multiplex RoyalPro Sender können noch mit einem Trick mit Jeti Duplex ausgerüstet werden. Absolute Zuverlässigkeit, hohe Verarbeitungsqualität und attraktive Preise sprechen für dieses System. Empfänger gibt es von Indoor bis zum kaskadierbaren Hochstromempfänger, der mit mehreren Satelliten ausgerüstet werden kann. Eine Übersicht der verschiedenen Jeti Duplex Empfänger zeigt die Unterschiede. Wirkliche Billigempfänger gibt es zwar nicht und auch gebrauchte Jeti Empfänger sind kaum günstig zu bekommen, da diese im Vergleich zu den meisten anderen Empfängern deutlich wertstabiler sind. 

Alle Outdoor Empfänger sind standardmäßig mit Telemetrie ausgerüstet. Bei zu schlechtem Empfang bekommt man über das Sendemodul eine Warnung und mit Hilfe einer zusätzlichen Jeti Box kann man die Empfänger durch umfangreiche Programmiermöglichkeiten erweitern. Zusätzlich gibt es von Jeti für Copter-Piloten noch PPM Empfänger, die auch als Satelliten genutzt werden können.

Inzwischen gibt es von Jeti auch einen Pultsender im oberen Preissegment. Ein Handsender ist bereits in Entwicklung. Der Einbau eines Jeti Duplex Moduls in einen anderen Sender geht problemlos. Wer will, kann auch an bestehende Module eine zusätzliche Sprachausgabe anschließen. 

Alles in Allem ist Jeti Duplex das System, das aus meiner Sicht das beste Preis-/Leistungsverhältnis hat und das aufgrund der Qualität auch uneingeschränkt in Großmodellen ohne teuere Zusatzelektronik einsetzbar ist.

Multiplex M-Link

Bei M-Link von Multiplex handelt es sich um ein hochwertiges und zuverlässiges 2,4 GHz System, das zwar recht unspektakulär ist, aber wunderbar funktioniert. Ich hatte M-Link sofort nach dem Marktstart im Einsatz und nie, auch nur die geringsten Probleme damit. Wer also eine RoyalPro besitzt, kann auch jetzt schon die interne Telemetrie nutzen und hat somit ein integriertes System. Empfänger gibt es inzwischen in einem breiten Produktpalette. Die günstigen Empfänger haben leider keine Telemetrie und somit auch keine Reichweitewarnung. Wer Telemetrieempfänger besitzt, kann auf eine große Auswahl an Telemetriesensoren auf MSB-Basis zurückgreifen. 
Mit dem neuen Profi TX Sender hat Multiplex dann endlich auch einen hochwertigen Profi Sender der neuesten Generation mit integrierter Telemetrie. Sprachausgabe bietet Multiplex über ein externes Modul, dem sogenannten Souffleur an.
Die neuen Multiplex Sender sind Made in Germany und keine Fernostimporte. Ein durchweg empfehlenswertes System. Schade nur, dass man sich so gegen den Einbau von Fremdmodulen in Multiplex Sender wehrt.

Graupner HoTT

Nach ein paar Anläufen hat Graupner es endlich geschafft. Mit dem HoTT System konnte die Reputation, die man mit IFS verspielt hatte, wieder hergestellt werden. HoTT ist das erste 2,4 GHz System, das Telemetrie und Sprachausgabe vollständig integriert hat. Selbst ein MX 12 hat inzwischen integrierte Sprachausgabe, und das zu einem unglaublichen Preis. Das System funktioniert zuverlässig und die Empfängerpreise sind sehr attraktiv, auch wenn es keine Billigempfänger von Drittanbietern gibt. Während Graupner einst sehr schöne Sender hatte, würde ich mich mit einem aktuellen Pultsender von Graupner nicht mehr auf den Modellflugplatz wagen - aber das ist Geschmacksache.

Für mich der entscheidende Grund, weshalb ich nach meinen Tests alle Graupner HoTT Sachen wieder verkaufe liegt nicht darin, dass diese schlecht wären. Nein, alles hat wunderbar funktioniert und ich empfehle Anfängern immer noch, sich eine MX 12 HoTT anzuschaffen. Dieser Sender bietet unglaublich viel Leistung für wenig Geld. Ich persönlich bevorzuge allerdings Made in Europe. Wer sich z.B. die neue MC 32 anschaut, wird im Vergleich zum Jeti-Sender sehr enttäuscht sein. 

Besonders gut gefällt mir an Graupner das über alle Sender hinweg durchgängige Programmierkonzept, das logisch aufgebaut und gut verständlich ist. Es ist schon von Vorteil, wenn der Zweitsender nach dem gleichen Prinzip ohne Handbuch programmiert werden kann. 

Weatronic

Weatronic ist ganz klar auf hochwertige Modelle spezialisiert. Inzwischen hat man zwar auch sehr kleine Empfänger im Sortiment. Jeder Großmodell-Pilot hat natürlich auch ein paar kleine Modellflieger im Keller. Das Weatronic System bietet eine unglaubliche Fülle an Einstellmöglichkeiten, die auch direkt am PC ausgeführt werden können. Alle Flugdaten, wie Empfangsquallität und Servoausschläge, sowie Telemetriedaten werden aufgezeichnet und können nachträglich ausgewertet werden. Einen guten Überblick über das System finden Sie in meinem Weatronic Test. Aufgrund der Antennentechnologie hat Weatronic eine extrem stabile Verbindung. Empfänger werden auch spezielle für Großmodelle mit eingebauten Gyros angeboten. Preislich ist Weatronic nicht gerade billig. Die Qualität der Hardwar stimmt aber.

Ende 2012 wird Weatronic auf der Jetpower einen eigenen Sender vorstellen, der auch eine Doppelstromversorgung hat. Derzeit muss man noch Fremdsender nutzen. Genau da liegt derzeit auch der einzige Nachteil von Weatronic. Die Verbindung zum externen Sendemodul stellt für mich eine sicherheitsrelevante Schwachstelle dar. Des Weiteren neigt das Weatronic System zum Übersteuern, wenn der Sender zu nahe am Modell liegt. Ohne diese zwei Punkte wäre Weatronic für mich das 2,4 GHz System erster Wahl. Sobald der Weatronic Sender auf dem Markt ist, könnten die Karten also neu gemischt werden. 

Futaba Fasst

Futaba (Robbe) hat mit Fasst seit Anbeginn der 2,4 GHz Ära ein sehr gutes System auf dem Markt. Während man beim klassischen 2,4 GHz zu den Pionieren zählte, hat man die Telemetrie völlig verschlafen. Wen das nicht stört, der hat mit Fasst wohl das perfekte System gefunden. Empfänger gibt es auch extrem günstig von Drittherstellern und die Futaba Empfänger von sehr guter Qualität. Gebrauchte 14 Kanal Empfänger gibt es schon für unter 100 EUR. Bei den Sendern ist Futaba bisher unerreichbar im Luxussegment, bezüglich Preis-/Leistung konnte im unteren und mittleren Segment Graupner vorbei ziehen. 

Erst jetzt hat Futaba begonnen, die neuen Sender mit Telemetrie auszuliefern und für bestehende Sender eine externe Telemetriebox anzubieten, was für viele ausreichend ist. Einen Hochstromempfänger hat Futaba leider nicht im Sortiment.

Ein Touchscreen Display ist schick aber nicht wirklich von bedeutendem Vorteil. Da die T 18 MZ inzwischen verfügbar ist, kann man sich allerdings für 800 EUR eine gebrauchte T 14 MZ kaufen, wodurch man "günstigen" Luxussender hat, den man auch auf ein beliebiges anderes 2,4 GHz System umrüsten kann. 

Futaba setzt, wie Graupner auch, weiterhin auf die konventionelle Stabantenne in Einzelausfährung. Das reicht für den Flug in Sichtweite völlig aus. Auch Satelliten Empfänger werden von Futaba nicht angeboten. Dafür kann man z.B. zwei Empfänger an eine S-Bus Akkuweiche anschließen, die dann für die gewünschte Redundanz der Empfänger und die notwendige Stromversorgung der Servos sorgt. Der S-Bus von Futaba ist allgemein für die Großmodellfliegerei interessant, da die Kabelverlegung so komfortabler gelöst werden kann. 

Spektrum

Nachdem Spektrum bis zum DSM2 Protokoll aufgrund der geringeren Sendeleistung mit Satelliten die notwendige Empfangsqualität sicherstellen musste - 7 Antennen waren keine Seltenheit -, hat man sich zwischenzeitlich auch für FHSS entschieden. Der Einsatz von Satelliten ist gerade in kleinen Modellen nicht unbedingt vorteilhaft.

Mit den neuen Sendern hat Spektrum nun ein durchgängiges Produktsortiment. Preislich gibt es derzeit keine günstigeren Empfänger, als die spektrumkompatiblen Orange von Hobbyking. Gerade im unteren Preissegment ist Spektrum auch in Deutschland stark vertreten. Das liegt auch daran, dass man viele kleinen Fertigmodelle kaufen kann, die bereits DSM2 Empfänger eingebaut habenn.

Bezüglich Telemetrie hat Spektrum inzwischen auch ein ausreichendes Sortiment. Auch die Sender haben inzwischen integrierte Telemetrie. Ein Sromsensor fehlt allerdings bisher noch im Sortiment, was besonders für Elektroflieger sehr schade ist. 

Fazit

Ich hoffe, dass der ein oder andere Aspekt meiner Sichtweise und Erfahrung mit den unterschiedlichen 2,4 GHz Systemen hilfreich war. Während derzeit die Produktsortimente noch ausgebaut werden, sind einige derzeit noch relevante Unterschiede in wenigen Jahren unbedeutend. Fehlende Sensoren oder Funktionen werden nach und nach angeboten werden und so entscheidet letztlich neben dem Preis und der Quallität vor allem, ob man ein System schick findet oder nicht und hier sind die Geschmäcker bekanntlich verschieden. Während die Empfänger - einmal eingebaut - leidenschaftlos ihren Dienst im Modell verbringen, sollte man beim Senderkauf den Sender wählen, der die angenehmste Bedienung bietet. Hier empfiehlt sich ein Messebesuch, bei dem man die Möglichkeit bekommt, mit jedem Sender etwas zu spielen, bevor man sich für einen Sender und somit immer mehr auch für ein 2,4 GHz System entscheidet.