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Anschlag mit Modellflugzeug geplant - ne, is klar

In den USA soll ein Physiker geplant haben, mit einem Modellflugzeug einen Anschlag zu verüben. Meist reißerisch und immer geprägt von Aussagen, die jeden Modellbauer verwundern, wird heute morgen in praktisch allen Medien über dem Fall berichtet. Man könnte fast den Eindruck gewinnen, ein Modellflugzeug sei eine Waffe. 

Für alle, die sich nicht so faul sind und einfach glauben, was die Schreiblinge bei Spiegel und Co. so von sich geben, habe ich hier mal ein paar Punkte zusammengefasst, die schnell deutlich machen, warum die Meldung sich zwar publikumswirksam verbreiten lässt, die eigentliche Gefahr, die von einem Modellflugzeug ausgeht aber völlig übertrieben ist. 

Die Meldung erinnert mich stark daran, wie im Jahr 2002 die deutsche Presse unisono berichtete, dass Saddam Hussein mit Modellflugzeugen - man nennt sie in dem Zusammenhang auch gerne Drohnen, da sich das einfach gefährlicher anhört -  Europa bedrohen würde. Wieso ich die Meldungen vor allem für medienwirksam halte, versuche ich nachfolgend zu erläutern.

Schauen wir uns mal die zwei gezeigten Modellflugzeuge an. Eine F4 Phantom und eine F86 Sabre sind da zu sehen. Beides sind schöne Modellflugzeuge, bei denen viel Wert auf Detailgetreue gelegt wurde, sehen also für den Normalbürger gefährlich aus, wobei der Playboy-Hase auf dem Seitenleitwerk nicht wirklich zu einem Gotteskrieger passt.

Auf Spiegel Online lesen wir zu den Fotos: "Diese Maschinen ähneln Drohnen, sie werden per GPS gesteuert und sollten mit Plastiksprengstoff beladen werden." Drohnenähnlich hört sich natürlich schon gefährlich an. Das ist ja fast so, wie kriegsähnlich.

Noch ein Zitat aus dem Spiegel: "F. plante laut Behörden, nach der Attacke mit den Modellflugzeugen auf die fliehenden Menschen zu schießen." Jetzt könnte man ja den Eindruck gewinnen, der Pilot schießt mit dem Modellflugzeug auf die Menschen. Ich dachte, das Ding ist dann schon explodiert.

Die Bildzeitung geht noch weiter und schreibt: "Der diplomierte Physiker... wollte laut Ermittlungen das Pentagon und den Kongress mit ferngesteuerten Modell-Fliegern in die Luft sprengen." Da frage ich mich doch, wenn er schon mal so ein schmuckes Modellflugzeug besaß, wieso wollte er damit nicht gleich ganz Washington in die Luft sprengen.

Dass es mit genügend krimineller Energie und etlichen praktischen Versuchen möglich ist, mit einem Modellflugzeug geringe Mengen Sprengstoff zu transportieren, ist unbestritten. Die Wahrscheinlichkeit, dass es klappt, ist aber auf jeden Fall gering und wer will schon 6 wartenden Jihadis enttäuschen, wenn der Flieger über das Ziel hinweg fliegt oder beim Start explodiert? Hier gibt es aber deutlich einfachere und effektivere Mittel, ohne näher darauf eingehen zu wollen.

Ich freue mich zwar, dass dieser Irre gefasst wurde, ärgere mich aber gleichzeitig über die Berichterstattung. Anstatt hervorzuheben, wie es sein kann, dass man Plastiksprengstoff bestellen kann, werden Bilder von Modellflugzeugen gezeigt und diese in den Vordergrund gestellt. 

Aus den letzten Amokläufen konnten wir lernen, dass nach solchen medienwirksamen Ereignisse die Politiker auf aktionistische Weise immer sofort wieder an der Gesetzesschraube drehen. Sportschützen können ein Lied davon singen. Es ist schon ärgerlich, dass man seit 2001 beim Kauf von Modellsprit seine Daten erfassen muss, während jeder Autofahrer soviel Tanken kann, wie er will. Hoffen wir, dass die Presse hier nicht zu viel negative Wahrnehmungen auslöst. Dass die Presse keine Story verschenken will ist verständlich, etwas mehr Sachlichkeit wäre allerdings wünschenswert.