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Becker Sender mit Weatronic 2,4 GHz

Durch Zufall bin ich auf die Webseite von Becker-fm gestolpert und war ziemlich überrascht. Während inzwischen praktisch alle Sender aus Fernost kommen, und sich durch Chrom-Look, immer größeren Displays sowie allerlei Schnickschnack, Geblinke und Gepiepse auszeichnen, gibt es in Münster doch tatsächlich noch eine kleine aber feine Senderschmiede, bei der nicht der Zeitgeist, sondern die Qualität im Vordergrund steht. 

Der puristische Gesamteindruck sprach mich sofort an. Besonders gefiel mich auch, dass selbst die Bedienelemente "Made in Germany" sind und sich seit Jahrzehnten bewährt haben. Es ist ja nicht so, dass z.B. eine MC 24 nach 5 Jahren auseinander fällt. Die Prioritäten schienen bei Becker allerdings kompromisslos gesetzt zu werden.

Alle Becker-Sender werden im einheitlichen Gehäuse geliefert. Zudem ist ein Einhandsender im Programm, der mit Hilfe eines Gasschiebers auch für Motormodelle genutzt werden kann.

Eine eigene 2,4 GHz Lösung wird von Becker selbst nicht angeboten. Außerdem wollte ich nicht auf den Komfort einer grafischen Programmierung verzichten. Was lag also näher, als ein kompromisslos gute Hardware von Becker mit dem Sendemodul von Weatronic zu verbinden, durch dass man dann über GigaControl auf einen Schlag die komfortabelsten Programmiermöglichkeiten hat, sofern diese für das jeweilige Modell überhaupt notwendig sind. 

Diese Kombination schien mir perfekt und auch preislich im Rahmen. Ich entschied mich also für den 12 Kanal-Sender s1200mc.

Der erste Eindruck

Der Sender fällt kleiner aus, als ich das von den Fotos her gedacht hätte. Auch wenn der Sender mit den zwei mittigen Schiebereglern Pultsendervorteile bietet, ist er sogar kompakter als eine MX 16, obwohl im Sender selbst mehr Platz vorhanden ist. 

Die Haptik des Becker Senders ist für jüngere Generationen sicher ungewohnt. Ansonsten merkt man schon beim Rausnehmen aus dem Karton, dass man etwas besonderes in den Händen hält. 

Becker Sender s1200mc im Vergleich zu einer MPX 3010 und einer MX 16 ifs mit Jeti Duplex und Jeti Box Mini
Becker Sender s1200mc im Vergleich zu einer MPX 3010 und einer MX 16 ifs mit Jeti Duplex und Jeti Box Mini

Qualität

Becker Sender von innen mit angeschlossenem Kabel für das Weatronic ModulBecker Sender von innen mit angeschlossenem Kabel für das Weatronic Modul
Becker Sender von innen mit angeschlossenem Kabel für das Weatronic Modul

Ob nun die Knüppelaggregate, die Schieber und Taster oder eben das Gehäuse selbst, der Sender wird in einer Qualität geliefert, wie man sie heute nicht mehr erwartet. Diese Qualität setzt sich auch fort, wenn man einen Blick ins Innere des Senders wirft. Dort trifft man dann aber nicht auf Röhrentechnik, sondern auf sauber bestückte Platinen mit SMD Bauteilen. Die wenigen notwendigen Kabeln sind ebenfalls sehr sauber verlegt und Kabelstränge aufwendig geflechtet. Wo findet man sowas noch? Auch der Stecker des Senderakkus ist so ausgeführt, dass man ihn sicher 100 mal entfernen könnte, ohne befürchten zu müssen, dass sich etwas löst. Das ist nicht üblich. Zusammenfassend kann ich sagen, dass der Becker-Sender der erste Sender ist, der aus meiner Sicht die gute alte Multiplex Profi MC in Sachen Qualität schlägt.

Weatronic Einbau

Angebautes Weatronic Modul mit Abstandhalter
Angebautes Weatronic Modul mit Abstandhalter

Der Einbau des Weatronic Moduls gestaltet sich unkompliziert. Wichtig ist dabei nur, dass man einen kurzen Abstandhalter anbringt, um die Kippschalter noch gut erreichen zu können. Dazu kann man z.B. ein Röhrchen aus einer alten Antenne absägen und einsetzen. Mit einer längeren Schraube lässt sich der Halterungspilz dann festschrauben. Das Flachbandkabel sollte mit einem Stück Schrumpfschlauch umgeben werden und kann dann durch eine kleine Aussparung ins Innere des Senders geführt werden. So angebracht, stört das Weatronic Modul nicht und ist optimal für den Flugbetrieb ausgerichtet.

Der Funktionsumfang

Weatronic GigaControl
Weatronic GigaControl

Hier hat der Becker Sender ganz klar seine Schwächen. Während man inzwischen bei einem Einstiegssender schon eine Exponentialfunktion und einen Servomonitor erhält, kann der Becker Sender mit diesen Funktion leider nicht dienen. Auch Funktionen, wie z.B. Flugphasen oder Servoverzögerung hat dieser nicht an Bord. Das ist dann wohl auch der Grund, weshalb ein Becker Sender mit 35 MHz bzw. einem Standard 2,4 GHz System für manche Modelle nur eingeschränkt nutzbar ist. 

Das Paradoxe ist nun allerdings, dass mit der 2,4 GHz Technik diese Funktionen nicht mehr unbedingt vom Sender zur Verfügung gestellt werden müssen und der Sender somit moderner geworden ist, ohne sich zu ändern. Nicht nur Flybarless Hubschrauber lassen sich nun wieder mit einem Becker Sender ohne Senderprogrammierung steuern, sondern auch beliebige Modellflugzeuge, sofern man die Programmierung empfängerseitig durchführt. Jeti oder in meinem Fall eben Weatronic bieten genau diese Möglichkeit. Bei Jeti geht die Programmierung über die Jetibox direkt am Sender, während man bei Weatronic über das Programm GigaControl die Servofunktionen grafisch am Rechner durchführt. Insoweit ergänzen sich diese zwei Systeme also perfekt und man erweitert so den Funktionsumfang seines Becker Senders.

Bedienung

Der Sender kann sowohl als Handsender, wie auch auf einem Pult eingesetzt werden. Als Handsender ist für mich uneingeschränkt bedienbar, ob das mit kleineren Händen genau so gut geht, glaube ich allerdings nicht. 

Der Einschalter ist optimal gegen versehentliches Ausschalten gesichert und erlaubt die Nutzung des Senders mit und ohne HF-Modul. Alle Schieber und Schalter sind gut erreichbar, wobei die zwei Kippschalter weiter außen besser angebracht wären.

Besonders positiv überrascht bin ich von den Trimmrädern. Diese lassen sich deutlich feinfühliger nutzen, als alle mir bekannten Trimmungen. Sowohl große, als auch kleine Ausschläge sind schnell und sicher einstellbar.

Die Knüppel sind griffig und spielfrei bedienbar. Das Raster des Gaßknüppels ist für die feinfühlige Steuerung von Quadrocoptern etwas zu grob, beim Steuern von Flächenmodellen konnte ich damit allerdings keinen Nachteil erkennen. 

Programmierung

Die gesamte Programmierung geschieht über 6 Taster und mit Hilfe eines DIN-A 6 Programmierschemas. Das klare Programmierkonzept ohne Überraschungen oder komplizierten Funktionen ist schnell erlernt, so dass man getrost auch ohne das Programmierschema auf dem Flugplatz gehen kann. Durch die klare Struktur ist praktisch ausgeschlossen, dass man sich in einer Menüstruktur verliert.

Ein neues Modell ist schnell ausgewählt und auch die Servofunktionen lassen sich einfach einstellen. Aufgrund des kleinen Displays ist, wie schon erwähnt, leider kein Servomonitor verfügbar. 

Fazit

Für Einsteiger gibt es günstigere Sender mit mehr Funktionen. Wer allerdings beste Qualität aus deutscher Manufaktur wünscht - den Wiesmann sozusagen - , der bekommt genau das mit dem Becker Sender. Ein ehrliches Produkt, das nicht nur sein Geld wert ist, sondern das begeistert und dem ich zutraue, dass es auch in 30 Jahren noch funktioniert. Man muss kein Qualitätsfetischist sein, um viel Freude an dem Sender zu haben.