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Modellflugzeug selber bauen

In diesem Artikel erfahren Sie, worauf es ankommt, wenn Sie sich dafür entschieden haben, ein eigenes Modellflugzeug selber zu bauen. Sie lernen Fehler zu vermeiden und erfahren, welche Komponenten Sie sich mindestens besorgen müssen, damit das selbst gebaute Modellflugzeug ein Erfolg wird. Ich unterscheide hier zwischen einem Bausatz und einem wirklich selbst gebautem Modellflugzeug. Wenn ich also von selber bauen spreche, meine ich ein komplett selbst gebautes Modellflugzeug, dass nicht aus einem Bausatz kommt.

Selbstgebautes Modellflugzeug mit Kamera
Selbstgebautes Modellflugzeug mit Kamera

Wieso ein selbst gebautes Modellflugzeug?

Diese Frage ist heute durchaus berechtigt. Ein Bausatz ist schließlich für ca. 50 EUR zu bekommen und das darin enthaltene Modellflugzeug meist innerhalb weniger Stunden aufgebaut, während es doch deutlich länger dauert, ein eigenes Modellflugzeug komplett selbst zu bauen. Das stimmt zwar oberflächlich, wer allerdings beim Eigenbau ein paar Dinge berücksichtigt, der wird erheblich günstiger wegkommen, ein individuelles Modellflugzeug besitzen und, falls er handwerklich einigermaßen geschickt ist auch noch viel Spass dabei haben.

Kosten eines selbst gebauten Modellflugzeugs

Beim Kostenvergleich werden nur die Kosten für das Modell selbst berücksichtigt. Ich gehe von einem 1m Modell aus, da diese Klasse sehr günstig gebaut werden kann und außerdem alle Komponenten, wie z.B. Motor, Regler, Akku und Servos, sowie Fernsteuerung günstig zu bekommen sind. Die Kosten für RC-Komponenten anzugeben ist natürlich nicht einfach, da es eine sehr große Spanne gibt. Je nach Anspruch muss man allerdings mit 200 EUR für Gebrauchtware bis 400 EUR für neue Komponenten rechnen, wenn man etwas längerfristig denkt. Diese Kosten will ich aber hier ausklammern, da sie nur einmal anfallen und bei Gebrauchtkomponenten, durch die Wiederverkaufsmöglichkeit praktisch vernachlässigbar sind. 

Die Kosten pro Flugzeug zu betrachten kommt der Sache schon näher. Hier ist es eben noch nicht so, wie beim Nähen einer Host, wo alleine der Reißverschluss schon teurer ist, als eine Aldi-Hose. Beim Bausatz eines günstigen und guten Einsteigermodells ist mit 50 EUR zu rechnen. Der EasyStar von Multiplex beispielsweise ist ein unschlagbar gutes, robustes und dennoch günstiges Modell, mit dem man mehrere Jahre Freude am Modellflug haben kann. Den EasyStar als Referenz für die Kostenbetrachtung zu nehmen ist also schon mal gut.

Ein selber gebautes Modellflugzeug aus Holz und mit Folie bespannt ist für ca. 25 EUR zu bauen und ist damit nur halb so teuer, wie ein vergleichbares gekauftes Modellflugzeug. Der Hersteller des Bausatzes will schließlich auch noch etwas verdienen. Wenn man allerdings die Zeit rechnet, die man braucht, um ein Modellflugzeug selbst zu bauen, wird man nie an die Kosten eines Bausatzes oder gar eines Fertigmodells kommen, das in Fernost für wenige EUR in stundenlanger Arbeit zusammengebaut wird.

Neben dem Kostenvergleich des eigentlichen Flugzeugs gibt es allerdings noch einen anderen, sehr interessanten Aspekt bei einem selbst gebauten Modellflugzeug. Betrachten wir mal die Kosten pro Absturz, dann schneidet ein selbst gebautes Modellflugzeug, vorausgesetzt es ist mit Sollbruchstellen auf Absturzresistenz optimiert, erheblich besser ab. Ein Totalabsturz kann durchaus mit 3 EUR und 1 Stunde Aufwand zu Buche schlagen, während ein Bausatzmodell mit teuren Ersatzteilen ausgerüstet oder aufwändig geflickt werden muss. Dies ist zwar stark von der Konstruktion abhängig, soll aber nicht außer Betracht gelassen werden.

Die Konstruktion

Sie können beim Bau eines Modellflugzeugs entweder auf einen Bauplan zurückgreifen, wie er z.B. beim VTH-Verlag erhältlich ist oder im monatlich erscheinenden FMT-Magazin beiliegt oder Sie machen sich ans Werk und konstruieren Ihr Modellflugzeug selbst. Je nachdem, ob Sie beim ersten Flug bereits ein Erfolgserlebnis garantiert haben wollen oder ob Sie eher auf Spannung stehen, sollten Sie mit einem Bauplan arbeiten oder eben die Eigenkonstruktion vorziehen.

Bei der Eigenkonstruktion können Sie wiederum entweder einen Plan erstellen oder eben intuitiv vorgehen. Beim Plan können Sie sich an bestehenden Modellen orientieren und diese nach Ihrem Geschmack anpassen. Die intuitive Vorgehensweise ist sicher nicht jedermanns Sache, hat aber auch seinen Reiz.

Die beim selbst gebauten Modell zu verwendenden Materialen

Hier gibt es keine Vorgaben. Beim Selberbauen können Sie alle verfügbaren Materialien verwenden, sofern diese Leicht und Stabil genug sind. Zum Bau von Modellflugzeugen haben sich folgende Materialien besonders bewährt:

Balsaholz: Balsaholz ist das klassiche Modellflugzeug-Holz. Es ist sehr leicht und meist ausreichend Stabil, um Modellflugzeuge zu bauen. Balsaholz gibt es in unterschiedlichen Dicken als Brettchen mit 1000 x 100 mm. Aber Vorsicht: Balsaholz ist nicht gleich Balsaholz. Das spezifische Gewicht von Balsaholz kann sehr stark schwanken. Es gibt sehr harte Balsabrettchen und auch sehr weiche, die je nach Einsatz nur bedingt geeignet sind. Am Besten, Sie kaufen die Balsabrettchen direkt im Modellbaugeschäft. Dort können Sie die geeignete Härte aussuchen.

Styropor: Styropor ist bei vielen Modellen der Hauptbestandteil. Sie können Styropor allerdings auch mit Holz kombinieren, um so etwa den Rumpf vor zu Polstern und vor Beschädigungen zu schützen. Da Stryopor an sich sehr schnell bricht, sollten Sie es immer mit Klebeband oder Holz beschichten. Dann ist es um ein Vielfaches belastbarer und kaum schwerer.

Sperrholz: Neben Balsaholz kommt bei hoch beanspruchten Stellen oft Sperrholz zum Einsatz. Die alten Fliegerhasen erzählen heute noch auf dem Modellflugplatz, wie sie nach dem Krieg aus Obstkisten Modellflugzeuge gebaut haben und tatsächlich ist das Pappelsperrholz einiger Obstkisten optimal zum Bau von Modellflugzeugen geeignet. Es ist leicht und trotzdem stabil auch wenn es mit der Leichtigkeit von Balsaholz nicht mithalten kann.

Bügelfolie: Folie wird zum Einen zum Bespannen der Rippenflächen und zum Anderen zum Bespannen von Rumpfteilen und des Leitwerks genutzt. Durch den Einsatz von Bügelfolie können Sie praktisch vollständig auf Lacke verzichten. Bespannte Teile haben eine deutlich höhere Festigkeit und sind außerdem vor Verschmutzung und Wetter geschützt. Beschädigte Folienstücke können sehr einfach durch erneutes Überbügeln ausgebessert werden.

Festigkeit und Sollbruchstellen

Ein Modell ist dann unzerstörbar, wenn es bricht. Dieser Satz hört sich jetzt vielleicht etwas merkwürdig an, ist aber uneingeschränkt richtig. Die beim Absturz umzuwandelnde Energie kann entweder in Verformung oder über Bruch abgeleitet werden. Meist sind beide Varianten unerwünscht. Bei der Konstruktion sollten Sie sich also darüber Gedanken machen, wo das Modellflugzeug berechnen kann, ohne großen Schaden anzurichten. Gut gewählte Sollbruchstellen können Beschädigungen der wertvollen Teile nahezu komplett verhindern. Die Sollbruchstelle schlechthin ist wohl die Flächenverbindung. Wenn hier Gummis zur Befestigung eingesetzt werden und geteilte Flächen zum Einsatz kommen, sind diese praktisch nicht kaputt zu bekommen.

Der Aufbau des Modells

Es gibt unzählige Varianten, ein Modellflugzeug aufzubauen. Bleiben wir bei der Einfachsten. Einen klassischen Rumpf, zwei geteile bespannte Flächen und einem V-Leitwerk. Das V-Leitwerk ist eine sehr einfach Variante eines Leitwerks und außerdem extrem Robust.

Der Rumpf besteht aus zwei Balsa Teilen. Einem Vorderteil, dass den Akku beinhaltet und das zum Schutz mit Styropor überzogen ist. Befestigt wird das Styropor mit Glasfaser-Klebeband. das hintere Rumpfteil besteht ebenfalls aus Balsaholz und wird mit dem vorderen Teil lediglich mit Glasfaser-Klebeband verbunden. Dieses Rumpfteil beinhaltet auch die Bowdenzüge, um die Ruder des Leitwerks über zwei Servos anzusteuern. An der Rückseite des vorderen Rumpfteils wird ein Motorträger aus Sperrholz geklebt - ebenfalls mit Glasfaser Klebeband.

Am Ende des hinteren Rumpfteils wird das V-Leitwerk befestigt. Es besteht aus bespannten Balsateilen, die in der Mitte mit Aluminium oder Holz verbunden werden.

Die Flächen werden aus Balsa-Rippen und einem Kohle-Rohr aufgebaut. Anschließend werden sie mit Bügelfolie bespannt. Zum besseren Transport werden Sie zweiteilig ausgeführt und über ein gebogenes Messingrohr verbunden. Optional können die Flächen aber auch einteilig gebaut werden. Bei geteilten Flächen haben Sie jederzeit die Möglichkeit, das Steuerverhalten durch Anpassen der V-Form zu beeinflussen. Befestigt werden die Flächen einfach über ein paar Haushaltgummis, so dass diese sich bei einer harten Landung lösen können. Im Flug brauchen Sie nichts zu befürchten, allerdings sollten Sie auf jeder Seite zur Sicherheit zwei Gummis anbringen.

Der Motor wird hinter den Flächen angebracht, das hat den Vorteil, dass das erste Modellflugzeug niemanden gefährden kann und außerdem ist dies die stabilste Variante. Bei einem Absturz oder einer Bruchlandung bleibt so die Luftschraube ganz, während sie bei einem vorne montierten Motor mit hoher Wahrscheinlichkeit kaputt ginge und dann auch der Motor einen Schaden nehmen würde. Dieser Aufbau, wie er auch auf dem Foto oben zu sehen ist, hat zwar aerodynamisch leichte Nachteile, eignet sich aber dennoch sehr gut als Anfängermodell.

Ein so aufgebautes Modellflugzeug kann selbst nach einem Totalabsturz innerhalb weniger Minuten wieder Flugfertig gemacht werden. Flächen und Leitwerk sind praktisch unzerstörbar und der Rumpf, der aus nich viel mehr als zwei Balsateilen besteht, die mit Klebeband zusammengehalten werden, ist schnell ersetzt.

Anleitung für ein selbstgebautes Modellflugzeug

Nachdem Sie nun eine Menge allgemeiner Informationen zum Bau eines Modellflugzeugs gelesen haben, werden Sie sich sicherlich fragen, wie Sie es nun konkret anstellen, sollen, um ein selbstgebautes Modellflugzeug zu bekommen. In Kürze dokumentiere ich hier den gesamten Bau eines einfachen und günstigen Modellflugzeugs. In diesem Artikel lernen Sie dann alles, was Sie brauchen, um Ihr erste Modellflugzeug selber bauen zu können.